Der Krieg, welcher vom
Film
zur Eroberung des Landes "Kunst", geführt wird,
währt nun schon manches Jahr, und das Kriegsglück ist
wechselnd. Immer wieder
überschreiten entschlossene Vortrupps die
Grenze, immer wieder müssen sie sich zurückziehen, und die Front
rückt nicht nach.
Vielgestaltig
sind die Ursachen, die dem Siege entgegenstehen: Wirtschaftliche
Vorsicht der auftraggebenden Industrie,
mangelnder Glaube an die höhere Sendung des Films und Verwirrung
in den Ansichten darüber, was im Film ausdrückbar und
ausdrückenswert sei.
In
Deutschland scheint der Kampf im Jahre 1937 in
ein entscheidendes Stadium gerückt zu sein: Am 4. Mai wurde vom deutschen Staat das Primat der Kunst vor der Wirtschaft in
der
Filmindustrie verkündet. Im September bezeugte die deutsche
Jugend ihren Glauben, das der Film würdig sei und werden
solle, den Kern ihrer Feierstunden am Sonntag zu bilden.
Und
im Sommer wurde von einem dreiundzwanzigjährigen Mann diese
Schrift geschrieben, die mehr als alle früheren Bücher
über den Film geeignet ist, Licht in manche Dunkelheit der
Begriffe zu werfen und manchen verirrten und im Kreise laufenden Anschauungen den
rechten Weg zu leuchten.
Hier
ist eine eingehende und umfassende Untersuchung der Fragen: Was ist im Film
ausdrückbar, was ist nur im Film ausdrückbar, was ist im Film nicht ausdrückenswert, der Mühe
nicht wert, weil andere Künste es viel besser ausdrucken können
?
Es
mag in dieser Schrift
da und dort noch ein Irrtum stehen, und es mögen Lücken
darin sein - anders wäre ein so kühner
auch
nicht möglich und nicht fruchtbar. Dafür hat aber [dieser] Vorstoß auch noch
die
ganze unerbittliche Schärfe der Jugend, dafür lebt in ihm noch ungebrochen
das Misstrauen ,gegen jegliche Erfahrung der Menschen und ungebrochen
das Vertrauen zu den Göttern.
Berlin,
im November 1937